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Ein ganz besonderes Kennenlernen

Ein ganz besonderes Kennenlernen

Wir erleben Krieg jeden Tag, haben ihn aber nie erlebt. Dies gilt insbesondere für meine und die Generation der Jüngeren. Ob es ihnen bewusst ist? Gewalt, Krieg und Auseinandersetzungen sehen wir jeden Tag in den Medien. Syrien, die Ukraine, im Kongo, der Nahostkonflikt, Kolumbien, Nigeria oder Afghanistan. Früher oder später werden es oftmals nur noch Kurzmeldungen, die an uns vorbeischwimmen. Wie gesagt, es ist ein unterbewusster Selbstschutz des Geistes. Wir empfinden Mitleid, leiden aber nicht mit.

Millionen kämpfen und sterben, aber nur selten hat Krieg ein Gesicht. Für mich erhielt der 2. Weltkrieg durch einen Satz ein weiteres Gesicht. „Ich hatte ihm Heimaterde aus seinem Geburtsort Girbelsrath mitgenommen und auf sein Grab verstreut.“ Eine Aussage, verfasst von Konrad Oepen, die mir persönlich bei jedem erneuten Lesen vor Ergriffenheit die Tränen in die Augen treibt. Konrad Oepen konnte im Spätsommer dieses Jahres das erste Mal in seinem Leben zu seinem Vater. Friedrich Oepen fiel als erstes Todesopfer des 2. Weltkrieges aus Girbelsrath am 8. September 1941 bei einem Gefecht bei Dnjepropetrowsk in Russland.

11 Monate nach der Geburt seines Sohnes, ohne dass dieser ihn jemals würde kennenlernen dürfen. „Mein Vater hatte damals seinen Heimaturlaub für meine Geburt aufgespart. Sein Antrag wurde jedoch von seinem Kompaniechef mit den Worten „Wenn Mutter und Kind gesund sind, haben sie kein Grund zu ihnen zu fahren“ negativ beschieden.“, schildert Konrad Oepen. Beerdigt wurde Friedrich Oepen in dem Ort, in dem er zu Tode gekommen war, bevor er im Mai 1996 auf den Sammelfriedhof in Charkow in der Ukraine umgebettet wurde. Auf dem 5ha großen Gelände ruhen fast 40.000 deutsche Soldaten.

Man kann nicht nachvollziehen, wie es sich für Konrad Oepen angefühlt haben mag, das erste Mal in seinem Leben vor dem Grab seines Vaters zu stehen. Er selbst kann es nicht in Worte fassen. Und möglich machte dieses Wiedersehen erst der Frieden. Nach der relativen Befriedung im Osten der Ukraine konnte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. diese Gedenkreis für Verwandte von Kriegsgefallenen in diesem Land durchführen.

Friedrich Oepen ist ein Gesicht, aber er kann auch stellvertretend für diejenigen stehen, die es nicht zu ihren Lieben zurückschaffen. Vor 70 Jahren wie auch heute. Und vielleicht ist seine Geschichte und die seiner Familie uns eine Mahnung, Frieden nicht für selbstverständlich zu nehmen. Sondern es zu schätzen, dass für uns Kriege vorbei sein können, wenn wir die Nachrichten ausschalten. Solch ein Glück haben nur wenige auf der Welt.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Gegründet 1919 hat es sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Auftrag der Bundesregierung zum Ziel gesetzt, die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen. Die Arbeit des Volksbundes in der Ukraine basiert auf dem im Juni 1997 in Kraft getreten Abkommen zwischen der Ukraine und der Bundesrepublik Deutschland. Aufgrund der großen Zahl noch aufzufindender Kriegstoten entschied sich der Volksbund die Verstorbenen auf wenige große Sammelfriedhöfe zusammenzufassen. 1998 wurde der Sammelfriedhof bei der Stadt Charkow eingeweiht. Auf Granitstellen werden die Namen der Verstorbenen verewigt.

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